Eldbjørg Hemsing, Wiener Symphoniker & Olari Elts - Borgström & Shostakovich: Violin Concertos

Review Eldbjørg Hemsing, Wiener Symphoniker & Olari Elts - Borgström & Shostakovich: Violin Concertos

Es gehört einiger Mut des Labels und der Solistin dazu, als Debut-CD und -Download nicht eines der Schlachtrösser der Geigenliteratur, sondern ein Konzert eines beinahe vergessenen Komponisten der auslaufenden romantischen Periode neben dem eher sperrigen ersten Violinkonzert von Dimitri Schostakowitsch herauszubringen. Allerdings passt dieses Debut zur Vita der norwegischen Geigerin Eldbjørg Hemsing, die im Alter von elf Jahren das erste Mal auf der Konzertbühne stand, und die sich mit ihren heute gerade einmal 28 Lebensjahren bereits einen Namen in der Szene zeitgenössischer Musik einen Namen gemacht hat. So steht zum Beispiel im Herbst dieses Jahres die Uraufführung eines Violinkonzerts des Komponisten Tan Duns auf ihrem Programm, mit dem sie bereits seit einiger Zeit künstlerisch verbunden ist. Auch der estnische Dirigent dieses Albums, Olari Elts ist ein Spezialist für zeitgenössische Musik. Der unter anderen bei Jorma Panula ausgebildete Dirigent war von 2001 bis 2006 Chef des Lettischen Nationalen Sinfonieorchesters, dirigierte seitdem zahlreiche Orchester von Rang und leitet seit 1993 das von ihm gegründete NYYD Ensemble, das sich der Aufführung zeitgenössischer Musik verschrieben hat.

Doch zurück zum aktuellen Album mit seinen beiden Violinkonzerten. Nahezu völlig in Vergessenheit geraten ist der mit seinem Violinkonzert in G-Dur, op. 25 neben dem ersten Schostakowitsch-Violinkonzert auf dem Album vertretene Hjalmar Borgström. Vergessen ist der Norweger tragischer Weise nicht wegen der Qualität seiner Kompositionen, sondern deshalb, weil er nicht wie sein ebenfalls in Deutschland ausgebildeter Landsmann Edvard Grieg eine spezifisch eigenständige, an die Folklore seiner Heimat angelehnte Musik komponiert hat, sondern eine dem spätromantischen deutschen Komponierstil verpflichtete Musik fern dem skandinavischen Idiom. Das hat man ihm in Norwegen, das damals stark nationalistisch geprägt war, ausgesprochen übelgenommen, weshalb ihm dort kein Erfolg beschieden war. In Deutschland waren andererseits gerade französische Komponisten gefragt, weshalb Borgström mit seinem deutschen Idiom, im wahrsten Sinne des Wortes zwischen zwei Stühlen sitzend, hier auch nicht besonders gefragt war. Sein 1914 fertiggestelltes Violinkonzert in G-Dur, op. 25 Nr. 1 fand wohl deshalb trotz einer erfolgreichen Premiere keinen Eingang ins Repertoire. Dass es dieses Schicksal nicht verdient hat, sondern sehr wohl seinen Platz im Konzertbetrieb verdient hätte, dafür steht die zutiefst engagierte Interpretation durch Eldbjørg Hemsing als späte Ehrenrettung des Violinkonzerts des Norwegers, das mit seinem expressiven Duktus, melodienreichen Themen und ungewöhnliche Harmonien von beachtlicher Eigenständigkeit des norwegischen Komponisten kündet. Dafür stehen auch die Wiener Sinfoniker, die hier unter Olari Elts zur Höchstform auflaufen.

Das David Oistrach gewidmete und von diesem 1954 uraufgeführte erste Violinkonzert von Dimitri Schostakowitsch erfreute sich von Beginn an trotz des über lange Zeit bis heute als sperrig empfundenen Werks dank David Oistrachs eines großen internationalen Interesses. Heutzutage gehört es beinahe schon zum Standard-Repertoire talentierter junger Geiger. Die wachsende Zahl von Aufnahmen kündet davon. Eldbjørg Hemsing tritt hier mit ihrer Interpretation gegen eine beträchtliche Konkurrenz an, schlägt sich jedoch nicht nur beachtlich, sondern spielt sich in den Spitzenrang aktueller Aufnahmen, die bei aller überlegenen Aufnahmetechnik sämtliche nicht an die Statur der analogen Mono-Aufnahme anlässlich der Uraufführung heranreichen, die vom großen David Oistrach geprägt ist.

Eldbjørg Hemsing, Violine
Wiener Symphoniker
Olari Elts, Dirigent

Eldbjørg Hemsing, Wiener Symphoniker & Olari Elts - Borgström & Shostakovich: Violin Concertos

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