Nik Bärtsch's Ronin – Awase

Review Nik Bärtsch's Ronin – Awase

Awase – wörtlich übersetzt „Zusammenkommen“ – steht im Japanischen für einen Kampfstil, der sich dadurch auszeichnet, dass Gewaltausübung des Gegners nicht mit eigener Gewaltausübung beantwortet wird, sondern dass man mit der gegnerischen Energie verschmilzt und diese im Akt des Verschmelzens auflöst. Awase steht also für einen überaus eleganten, effektiven und zerstörungsfreien Umgang mit Energie, wie etwa von einem Musiker ausgehende künstlerische Energie, von der Sie sich durchfluten lassen, und die an Mitspieler weiter strömen gelassen wird. Und genau das beschreibt die Spielweise von Nik Bärtsch's Ronin auf dem Album Awase, eine Spielweise, die ohne solistische Alleingänge auskommt und stattdessen musikalische Energie zwischen den Spielern frei strömen lässt. Das Resultat ist enorm entspannter Jazz, der vom freien Ideen- und Stimmungsaustausch lebt, wie er Mitte der 70er Jahre schon einmal angesagt war, jedoch nie so konsequent zu Ende gedacht worden ist wie auf Awase. Ein überaus faszinierendes Album, dessen minimalistischer Ansatz von fernöstlichem Gedankengut durchdrungen ist, dem sich der Schweizer Nik Bärtsch seit eh und je verbunden fühlt.

Ein Projekt wie Awase verlangt wie kein anderes geeignete Mitdenker, die Nik Bärtsch in der aktuellen Aufstellung von Ronin ohne Zweifel gefunden hat. Ronin, das sind auf Awase neben Nik Bärtsch am Piano Sha, Altsaxophon und Bassklarinette, Thomy Jordi, Bass und Kasper Rast, Schlagzeug. Damit ist die Formation Ronin seitdem vor sechs Jahren erschienenen letzten Album Live vom Quintett zum Quartett mutiert und Ronin-typisch höchst professionell auf Awase eingestimmt, als ob die Gruppe niemals andere Musik gemacht hätte. Was auf Awase so leicht klingt ist, wie alle Kunst, die einem Betrachter oder Zuhörer leicht und selbstverständlich scheint, ist bis ins kleinste Detail eingeübt und verfeinert. Hierin unterscheidet sich Ronin nicht von anderen perfekten, den Zuhörer durch Leichtigkeit und Schlüssigkeit beeindruckenden Ensembles des Jazz und der Klassik. Ronin hebt sich auf Awase jedoch von diesem Umfeld dadurch ab, dass bislang Unerhörtes entsteht und zwischen den einzelnen Musikern reibungslos kommuniziert wird, geradeso wie dies der fernöstliche Kampfstil Awase vorsieht.

Sämtliche Stücke auf Awase stammen von Nik Bärtsch und sechs von Ihnen waren schon einmal Gegenstand von Ronin-Alben. Das heißt jedoch keineswegs, dass auf Awase Bekanntes einfach recycelt wird. Das Gegenteil ist der Fall. An sich Bekanntes wird auf Awase komplett neu ausgewertet und in dem auf diesem Album vorherrschenden Enegieaustausch à la fernöstlichem Awase umgesetzt.

Awase wurde im Oktober 2017 im provenzalischen Pernes Les Fontaines am Fuße des Mont Ventoux in den Studios La Buissonne eingespielt, mithin in einer Landschaft, die in bei der Aufnahme vorherrschenden spätherbstlichen Stimmung, in der aller Wein geerntet und alle Oliven gepresst sind, Entspannung pur ausstrahlt, die die von den Ronin-Musikern frei gesetzte Energie von einem zum anderen und durch diese hindurch frei fließen lässt.

Nik Bärtsch, Klavier
Sha, Bassklarinette, Altsaxophon
Thomy Jordi, Bass
Kaspar Rast, Schlagzeug

Nik Bärtsch's Ronin – Awase

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